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Von Bügelbrettern, Nonnenkragen, Blumentöpfen und dem richtigen Gefühl

28/7/2016

Die etwas enttäuschende Premiere-Erfahrung hat inzwischen zwei erfreulichen Aufführungen Platz gemacht. Das heisst aber jetzt nicht, dass alles reibungslos lief und ich eine ruhige Kugel schieben konnte…

 

Unsere überaus fleissige Kostümbildnerin Annina Schmid ist diese Woche anderweitig engagiert und hat mich gefragt, ob ich die Wäsche und das Bügeln übernehmen könne. Kann ich, und so treffe ich zeitig in der Garderobe ein, um noch ein paar Hemden und Nonnenkragen zu bügeln, die unsere Kostüm-Fee nicht mehr geschafft hat. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist das Bügelbrett: Der reinste Pump-Track! Wie soll man darauf eine gerade Fläche zum „Plätten“ finden?? Himmel und Hölle!!! Ich beschliesse, mein eh nur zuhause herumstehendes Ersatzbrett huldvollst der Postremise zu vermachen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich heute mit dieser Buckelpiste ein Resultat erreichen muss, was im Schweisse meines Angesichts und mit unterdrückten Flüchen jetzt auch passiert. Ein letzter Kontrollblick…. Da sehe ich doch tatsächlich einen Kollegen mit zwar sauberem, aber extrem zerknittertem Hemd vor mir! Auf sein „das passt schon“ mache ich ihm klar, dass man mit so einem „Khua-in-dr-Schnorra-gha“-Teil nicht einmal in den Krieg zieht, geschweige denn ins Freilichtspiel! Finde ich jedenfalls. Und so schickt sich mein Kollege in die Tatsache, dass ihm das Hemd vom Leib gerissen und bügelwarm zurückgegeben wird. Danach bringe ich noch schnell die Nonnenkragen in die Aussengarderobe im Gebüsch, weil alle Nonnen ausser mir sich dort umziehen und von dort starten müssen.

 

Schliesslich ist mein Bügeleinsatz beendet und ich eile in den Garten – wo ich einen bereits eingerichteten Getränkestand antreffe! Danke, Annina Giovanoli! Aber auch jetzt wird es mir keineswegs langweilig. Zwar kann ich ab und zu meinen Lieblingsszenen lauschen, aber wenn einer der Darsteller hinter der Bühne etwas braucht, renne ich ohne zu zögern in die Postremise oder in die Garderobe, um Getränk, Jacke, Pflaster oder was auch immer möglichst schnell zu besorgen. Vielleicht sollte ich mein Helfersyndrom einmal psychologisch abklären lassen …?? Aber ich tue es ja wirklich gerne, und solange ich glücklich bin damit, mache ich so weiter. Punkt.

 

Nach der Pause darf ich mich um meinen Auftritt kümmern, mich in Ruhe umziehen und vorbereiten. Ich bin mutterseelenallein in der Garderobe, die Leggins sind vorhanden und es scheint diesmal alles zu klappen. Scheint… Bis ich entdecke, dass ich im Eifer des Gefechts auch meinen eigenen Nonnenkragen in die Aussengarderobe gebracht habe! Keine Chance da hinzukommen ohne mitten über die Bühne zu müssen! Himmel und Hölle!!! Wieder kalter Schweiss! Was mache ich jetzt? Eine Mutter Oberin ohne den typischen weissen Kragen geht nun mal gar nicht, aber aufgeben und in Tränen ausbrechen ist auch keine Option. Ich MUSS diesen Kragen haben, koste es, was es wolle! Ich habe doch mal so eine Haushaltsleiter mitgebracht? Die könnte mich retten… Zum Glück finde ich sie auf Anhieb, spurte im halben Nonnenkostüm hinaus auf die Strasse, peile die Lage und stelle dann die Leiter lautlos auf Gebüsch-Garderoben-Höhe an die Mauer. Die Gesichter hättet ihr sehen sollen, als ich plötzlich wie ein Gespenst aus dem Nichts im Blickfeld der auf ihren Einsatz wartenden Kolleginnen auftauche! Mit Gesten mache ich sie auf meine Notlage aufmerksam, worauf mir mein Kragen punktgenau über die Mauer zugeworfen wird. UFF!!! Jetzt runterschalten und in Ruhe die Zeit bis zum Auftritt zur inneren Vorbereitung nutzen. 

Dann stehe ich hinter dem Törchen und warte. Ein letzter Kontrollgriff ans Häubchen… Die Ohrringe! Eine Nonne trägt keinen Schmuck und ich habe noch diversen an. Wohin damit in der Eile? Ein Blumentopf erweist sich als Retter in der Not. 

 

Und dann, nach der nun auch für mich gelungenen Vorstellung: 

Warmer, anhaltender Schlussapplaus mit Bravo-Rufen! Heute stelle auch ich mich mit gutem Gefühl unter den Applausregen, geniesse, strahle, bin erleichtert, dankbar und einfach glücklich, dass ich Teil dieses tollen Stücks sein darf. Ja, genau so soll es sein, das Gefühl nach der Aufführung!

 

PS an alle Taschendiebe: Den Schmuck habe ich inzwischen geholt und es wird auch nicht wieder vorkommen. Gestern hat nämlich alles reibungslos geklappt und das wird es auch weiterhin.

HU!!! ☺

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